Tiergarten Schönbrunn & die ausgerotteten Tiere
Der älteste, schon 1752 gegründete Tiergarten Schönbrunn in Wien ist nicht nur Ausflugsziel, sondern seit Jahrzehnten im internationalen Artenschutz aktiv. Er beteiligt sich erfolgreich an Erhaltungszucht und Wiederansiedlung von Arten, die aus ihren ursprünglichen Lebensräumen gejagt und ausgerottet wurden. Einige dieser Vögel ziehen inzwischen wieder Nachwuchs über Grenzen hinweg in freier Natur groß. Dahinter steht die Zusammenarbeit mit Partnerzoos, Nationalparkverwaltungen und EU-geförderten Naturschutzprojekten. Besonders Waldrapp und Habichtskauz zeigen, welchen langen Atem erfolgreiche Wiederansiedlung verlangt. Aus Zucht, wissenschaftlicher Begleitung und jahrelanger Arbeit entstehen Populationen, die sich zunehmend selbst erhalten können.
Der Waldrapp, ein schwarzer Ibis mit charakteristischem Federschopf, galt in Europa seit dem 17. Jahrhundert als ausgerottet. Seit 2002 beteiligt sich der Tiergarten Schönbrunn an seiner Rückkehr. Seit 2022 koordiniert der Zoo ein EU-finanziertes LIFE-Projekt mit neun Partnerorganisationen, darunter das Waldrappteam und der WWF Deutschland. Handaufgezogene Küken werden auf menschliche Zieheltern geprägt, die ihnen mit Ultraleichtflugzeugen die Zugroute über die Alpen zeigen. 2025 lebten bereits 280 Waldrappe wild in Europa. Neue Kolonien entstanden in Rosegg in Kärnten und im italienischen Caprino Veronese. Jährlich werden rund 70 Jungvögel in freier Wildbahn flügge. Viele Tiere tragen GPS-Sender und können über die App Animal Tracker verfolgt werden. Ab einer Population von 357 Tieren gilt der Bestand nach Berechnungen des Projekts als selbstständig überlebensfähig.
Auch der Habichtskauz, eine der größten Eulenarten Mitteleuropas, galt in Österreich seit den 1950er-Jahren als ausgestorben. Seit 2009 arbeitet der Tiergarten Schönbrunn mit zwölf weiteren Zoos an seiner Wiederansiedlung und stellt dafür eigene Jungvögel zur Verfügung. Bis 2019 wurden 332 Jungkäuze im Wildnisgebiet Dürrenstein und im Biosphärenpark Wienerwald ausgewildert, mehr als 40 davon aus Schönbrunner Nachzucht. Inzwischen sind rund 30 Brutpaare in Niederösterreich nachgewiesen. Die Population am Alpennordrand könnte künftig südliche Vorkommen in Slowenien, Italien und Kroatien mit Beständen in Deutschland und Tschechien verbinden. Damit diese Verbindung gelingt und sich der Habichtskauz weiter ausbreiten kann, bleibt die Zusammenarbeit mit Forst- und Landwirtschaft wichtig. Entscheidend ist vor allem der Erhalt naturnaher Laubmischwälder als geeigneter Lebensraum.
Zucht allein reicht nicht Erfolgreiche Wiederansiedlung beginnt lange vor dem Öffnen einer Transportkiste. Zoos können stabile Zuchtbestände aufbauen und geeignete Tiere für Artenschutzprojekte zur Verfügung stellen. Damit daraus wieder eine Population in freier Wildbahn entsteht, müssen jedoch auch Lebensraum, Nahrungsangebot und mögliche Gefahren berücksichtigt werden. Beim Waldrapp kommt eine weitere Schwierigkeit hinzu: Die Jungvögel müssen eine geeignete Zugroute kennenlernen. Beim Habichtskauz entscheidet dagegen unter anderem das Vorhandensein naturnaher Wälder über den langfristigen Erfolg. Die Projekte zeigen damit auch eine veränderte Rolle moderner Zoos. Tiere werden nicht ausschließlich für den eigenen Bestand gezüchtet. Nachzuchten können Teil langfristiger Programme sein, an denen Zoos, Wissenschaft, Naturschutzorganisationen und die Verantwortlichen in den jeweiligen Regionen gemeinsam arbeiten. Erst dieses Zusammenspiel ermöglicht eine dauerhafte Rückkehr verschwundener Arten.
Erfolg zeigt sich erst in der Wildnis Ob eine Wiederansiedlung funktioniert, entscheidet sich nicht mit der Freilassung der ersten Tiere. Entscheidend ist, ob sie überleben, sich fortpflanzen und langfristig einen Bestand bilden, der ohne ständige Unterstützung bestehen kann. Beim Waldrapp liefern GPS-Sender zusätzliche Daten über Zugwege und Aufenthaltsorte. Beim Habichtskauz geben nachgewiesene Brutpaare und die weitere Ausbreitung Hinweise auf die Entwicklung der Population. Die Zahlen aus beiden Projekten machen den Fortschritt sichtbar: 2025 lebten bereits 280 Waldrappe wild in Europa, während in Niederösterreich rund 30 Brutpaare des Habichtskauzes nachgewiesen sind. Noch sind beide Projekte damit nicht abgeschlossen. Sie zeigen jedoch, dass die Rückkehr einer verschwundenen Art möglich ist, wenn Zucht, wissenschaftliche Begleitung, geeignete Lebensräume und langfristiger Schutz über viele Jahre ineinandergreifen.
Der Tiergarten Schönbrunn ist an 365 Tagen im Jahr ab 9 Uhr geöffnet. Die Schließzeiten variieren je nach Jahreszeit und liegen zwischen 16.30 und 18.30 Uhr. Kassenschluss und letzter Einlass sind jeweils eine halbe Stunde vor Ende der Öffnungszeit. Die Tageskarte kostet für Erwachsene 29 €, für Kinder und Jugendliche vom 6. bis zum 19. Geburtstag 17 €. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt. Die Jahreskarte kostet 69 € für Erwachsene und 39 € für Kinder und Jugendliche. Für Familien und regelmäßige Besucher stehen weitere Ticketangebote zur Verfügung. Aktuelle Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Hinweise zur Anreise sowie Onlinetickets gibt es auf der Homepage des Tiergartens Schönbrunn: „Für den Besuch sollte ein guter, ganzer Tag eingeplant werden.“ https://www.zoovienna.at/


